
Jahrelang hat Apple zugeschaut, wie Samsung, Google und chinesische Hersteller mit faltbaren Smartphones experimentierten. Nun ist es so weit: Mit dem iPhone Duo bringt Apple ein Gerät, das zugeklappt wie ein gewohntes iPhone in die Hosentasche passt und aufgeklappt zum kleinen Tablet wird. Doch reicht das, um eine ganze Produktkategorie neu zu definieren? Und vor allem: Wer braucht so ein Gerät eigentlich?
Vorgestellt hat Apple das iPhone Duo am 9. September, seit dem 23. Oktober steht es in den Läden. Unter der Haube arbeiten der A20-Pro-Chip und ein Doppel-Akku-System, gerahmt von Titan. Das Innendisplay ist laut Apple rund 50 Prozent größer als der Bildschirm des iPhone 18 Pro Max – Platz genug, um zwei Apps nebeneinander zu nutzen.
Das iPhone Duo auf einen Blick
Vorstellung: 9. September 2026 · Marktstart: 23. Oktober 2026
Preis: ab 2.299 Euro – das bisher teuerste iPhone
Displays: 7,6 Zoll innen, 5,4 Zoll außen
Technik: A20-Pro-Chip, Doppel-Akku-System, Titanrahmen, 48-MP-Dual-Kamera
Gewicht: 254 Gramm · Entsperrung: Touch ID
Für wen sich das iPhone Duo lohnt
Das iPhone Duo richtet sich klar an Menschen, die ihr Smartphone als Arbeitsgerät begreifen. Wer unterwegs Dokumente bearbeitet, Tabellen prüft, zwei Apps nebeneinander nutzt oder Videos auf einem größeren Bildschirm schauen möchte, profitiert am meisten vom aufklappbaren Display. Zugeklappt bleibt es ein vollwertiges iPhone für Nachrichten, Anrufe und den schnellen Blick auf die Karte.
Gleichzeitig ist das Duo ein Luxusprodukt. Mit einem Einstiegspreis von 2.299 Euro ist es das bisher teuerste iPhone. Damit zielt Apple auf Early Adopter, Technikbegeisterte und Business-Kunden. Wer sein iPhone vor allem für Social Media, Fotos und Messenger nutzt, findet im klassischen Pro-Modell das deutlich bessere Preis-Leistungs-Verhältnis. Das gilt erst recht für Hobbyfotografen und Videofilmer: Ohne Teleobjektiv und ohne ProRes-Video liegt die Kamera klar unter dem Niveau der Pro-Modelle. Wer sein Smartphone im Alltag stark beansprucht, sollte bei einem Faltgerät dieser Preisklasse ebenfalls genau abwägen.
Sind Foldables die bessere Wahl?
Die ehrliche Antwort lautet: Es kommt darauf an. Foldables bieten etwas, das kein klassisches Smartphone leisten kann – zwei Bildschirmgrößen in einem Gerät. Ein Beispiel aus dem Alltag: Im Zug lässt sich auf dem großen Innendisplay eine E-Mail schreiben, während daneben der Kalender oder ein PDF geöffnet bleibt. Auf einem normalen iPhone wäre das ein ständiges Hin- und Herwechseln.
Dem stehen bekannte Schwächen gegenüber. Faltbare Geräte sind schwerer und dicker, das Scharnier bleibt eine mechanische Schwachstelle, und die Falz im Display war bei vielen Konkurrenzmodellen lange sichtbar. Hinzu kommen höhere Reparaturkosten. Das Duo zeigt beide Seiten: Die Falz hat Apple weitgehend im Griff, mit 254 Gramm ist das Gerät aber schwer und einhändig kaum zu bedienen. Der entscheidende Faktor ist jedoch die Software. Ein großes Display bringt wenig, solange viele Apps noch wie gestreckte iPhone-Apps aussehen. Apples Stärke liegt traditionell darin, Hardware und Software eng aufeinander abzustimmen – ob das auch beim Duo gelingt, hängt jetzt vor allem an den App-Entwicklern.
Was die ersten Tests zeigen
Seit der Vorstellung dominiert das iPhone Duo die großen Tech-Kanäle auf YouTube. Kingmi Mobile zeigte noch vor dem Verkaufsstart eines der ersten Unboxing-Videos: Das Gerät wird aufgeklappt geliefert, und die Falz in der Mitte des Innendisplays ist dank einer matten Schicht kaum noch zu sehen. Gerade dieser Punkt galt lange als Schwachstelle der Konkurrenz – hier scheint Apple tatsächlich nachgelegt zu haben. Es fehlen allerdings noch Langzeittests, um eine fundierte Bewertung abzugeben.
Das wohl einflussreichste Urteil kommt von Marques Brownlee (MKBHD). In seinem Review „First Generation Fun!“ vom 21. Oktober beschreibt er das Duo als Gerät, das „an den Rändern sehr poliert, in der Mitte aber noch ziemlich rau“ ist. Gelobt hat er vor allem das Innendisplay, das robuste Scharnier – nach seiner Einschätzung bleibt das Duo halb aufgeklappt stabiler stehen als jedes andere Foldable –, die starke Akkulaufzeit und die flüssigen Animationen. In Sachen Verarbeitung sieht er Apple sogar vor Samsung.
Gleichzeitig nennt Brownlee deutliche Schwächen: Das Duo ist spürbar schwerer als Samsungs Galaxy Z Fold8, die Kamera bietet weder Teleobjektiv noch ProRes- oder Log-Video, und statt Face ID gibt es nur Touch ID. Als größtes Manko bezeichnet er derzeit die Apps: Viele, darunter Spotify, Discord, X und Google Maps, sind noch nicht für das Format optimiert. Sein Fazit fällt entsprechend deutlich aus: Den meisten Nutzern rät er vom Kauf ab. Sinnvoll sei es vor allem für Menschen, die gezielt ein Tablet-Display für die Hosentasche wollen. Brownlee rechnet allerdings damit, dass sich die App-Situation in etwa sechs Monaten deutlich verbessert.
Noch kritischer fällt der Härtetest von Zack Nelson (JerryRigEverything) aus. Seine Videos legen nahe, dass die IP68-Zertifizierung gegen Staub in der Praxis weniger hält, als sie verspricht – vor allem am Scharnier. Parallel berichten erste Käufer in sozialen Netzwerken von gebrochenen Innendisplays und hellen Streifen, im Netz bereits als „Crackgate“ bekannt. Die Reparaturexperten von iFixit vermuten nach ihrem Teardown die Ursache im Scharnier, das aus Dutzenden präzise gefertigten Teilen besteht. Apple hat das Problem inzwischen eingeräumt, spricht aber von einer kleinen Anzahl betroffener Geräte und tauscht diese aus. Ich empfehle allerdings auch AppleCare einzurichten um sehr kostenintensive Displaykosten zu vermeiden. Es bietet Kunden Schutz bei Unfallschäden mit einer Selbstbeteiligung.
Weitere Praxistests zeichnen ein insgesamt positiveres Bild. Gelobt wird vor allem die flüssige Bedienung: Der Wechsel vom äußeren auf das innere Display gelingt nahtlos, geöffnete Apps gehen geschmeidig auf den großen Bildschirm über. Die Software wirkt ausgereifter als bei vielen anderen Foldables. Ein weiteres Highlight ist das matte Innendisplay, das störende Spiegelungen reduziert und sich besonders zum Lesen und Videoschauen eignet. Hier der Hinweis bitte nicht das matte Innendisplay abziehen. In einigen Videos im Internet wird gezeigt, das die Qualität des Innendisplays sich dadurch verbessert. Man verliert lediglich die Gerätegarantie und ärgert sich spätestens, wenn man es ersetzen will oder muss, weil sich die Kosten für das Innendisplay auf 1.149 Euro ohne AppleCare+-Versicherung belaufen.
Auch im Alltag kann das Duo punkten. Zusammengeklappt ist es etwa so groß wie ein Reisepass und passt gut in die Tasche – bei der Bedienung mit einer Hand gehen die Meinungen allerdings auseinander. Die Akkulaufzeit überzeugt: Selbst bei intensiver Nutzung mit Streaming und FaceTime sind knapp zwei Tage möglich. Zudem kann das Duo mehrere Geräte ersetzen – der große Bildschirm eignet sich für Bücher, Videos, Videokonferenzen und mehrere Apps nebeneinander. Dank des Scharniers lässt es sich außerdem halb geöffnet aufstellen.
Die Kritikpunkte sind ebenfalls klar benannt. Die Kamera bietet neben dem Hauptobjektiv nur ein Ultraweitwinkel; herangezoomte Aufnahmen fallen schwach aus, während Porträts und Selfies gut gelingen. Für ein Gerät dieser Preisklasse wäre ein Kamerasystem auf Pro-Niveau angemessen. Hinzu kommt der Verzicht auf Face ID: Touch ID mag manchen sogar lieber sein, für viele iPhone-Nutzer ist die Umstellung jedoch ein Rückschritt. Ich persönlich habe es bei einem Samsung Galaxy Z Fold8 getestet und muss sagen, man vermisst die Funktion doch sehr. Einige Apps, etwa Google Docs und Kindle, nutzen den großen Bildschirm noch nicht sinnvoll, während Slack bereits angepasst ist. Und weil die App-Leiste rechts angeordnet ist, sind Linkshänder im Nachteil – eine Anpassung hat Apple angekündigt. Ebenfalls erst später folgen soll die Unterstützung für den Apple Pencil.
Für Menschen, die viel lesen, Videos schauen oder unterwegs arbeiten, fällt die Empfehlung daher grundsätzlich positiv aus. Wer sein Smartphone dagegen hauptsächlich zum Telefonieren, Schreiben und gelegentlichen Fotografieren nutzt, wird den hohen Preis kaum rechtfertigen können. Eine ernsthafte Alternative bleibt Samsungs Galaxy Z Fold8 – welches Gerät die bessere Wahl ist, hängt am Ende vor allem davon ab, ob man iOS oder Android bevorzugt.
Fazit und Ausblick
Das iPhone Duo ist kein Gerät für alle, aber ein wichtiges Signal: Apple hält faltbare Smartphones für reif genug, um sie in die eigene Produktpalette aufzunehmen. Für Vielnutzer und Produktivitätsfans, die gezielt ein Tablet für die Hosentasche suchen, kann es heute schon ein echter Gewinn sein. Für die breite Masse ist es vorerst zu teuer, zu schwer und softwareseitig noch nicht ausgereift – ein Urteil, das auch Marques Brownlee teilt. Wer jetzt kauft, sollte zudem die ersten Berichte über Displayschäden im Blick behalten. Wer warten kann, fährt vermutlich besser: Brownlee erwartet bei den Apps in etwa sechs Monaten deutliche Fortschritte, und bis dahin dürfte auch Apple die Scharnierprobleme besser verstehen.
Ob Foldables die Zukunft der Mobilfunkgeräte sind, entscheiden am Ende nicht die Hersteller, sondern die Nutzer. Sinken die Preise und steigt die Haltbarkeit, könnte das faltbare iPhone in wenigen Jahren so selbstverständlich sein wie heute das Pro-Modell. Die spannende Frage lautet also: Würden Sie für mehr Bildschirm in der Tasche tiefer in die Tasche greifen?
Modelle & Händler
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Quellen und weiterführende Informationen
- Apple · iPhone Duo
- Apple · technische Daten
- iFixit · Teardown
- HONOR Magic V6
- OPPO Find N6
- vivo X Fold6
- Xiaomi 18 Fold
- HUAWEI Mate X7
Gökhan Günaydin · Stand: 1. November 2026. Redaktionelle Einordnung anhand der genannten Quellen, kein eigener Test des iPhone Duo.


